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In großer Trauer haben wir erfahren, dass Prof. Dr. Manfred Lorenz, Pionier der afghanischen Studien in der DDR – am 25. Mai 2017 in Berlin verstorben ist. Er wurde 87 Jahre alt.

Prof. Dr. Manfred Lorenz (1929-2017) – in seiner Wohnung mit dem tadschikischen Botschafter – und im Hintergrund einem Teppich mit dem tadschikischen Nationaldichter Sadriddin Aini. Foto: Tadschikische Botschaft

 

Nach dem Abitur 1948 Russisch-Lehrer in seiner Thüringer Heimat, studierte er ab 1952 zunächst Slawistik, dann Iranistik bei dem großen Iranisten Heinrich Junker und Sprachwissenschaften bei H. Pätsch an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bozorg Alavi, einer der größten zeitgenössischen iranischen Schriftsteller und Linkspolitiker im Exil in der DDR wurde sein Mentor.

Lorenz beschäftigte sich als Linguist vor allem mit den iranischen Sprachen, zunächst dem klassischen Persisch sowie Tadschikisch sowie dem im Kaukasus gesprochen Ossetisch (Eigenbezeichnung: Iron) und später mit den beiden Hauptsprachen Dari und Paschto.

Hier sein eigener Artikel (von 2013), „Zur Iranistik in Berlin”, und hier Prof. Bert Fragners Eintrag „Iranian Studies in Germany“ bei Iranica Online.

Nach seiner Promotion 1961 und der Habilitation 1968 an der Sektion Asienwissenschaften, Bereich Iranistik, an der HUB wurde Lorenz 1982 zum außerordentlichen Professor und 1987 zum ordentlichen Professor mit Lehrstuhl für Iranistik berufen, den er bis zu seiner Emeritierung im September 1993 innehatte. Während dieser Zeit, ab 1980, baute er maßgeblich den Studiengang Afghanistik mit auf, zu dessen Absolventen auch der Autor gehört.

Nach seiner Emeritierung blieb Lorenz aktiv und besuchte in seinen letzten Lebensjahren immer wieder vor allem Tadschikistan. Dort erhielt er auch zwei Ehrendoktortitel, den der Tadschikischen Staatsuniversität (1990) und der Slawischen Universität (2001), beide in Duschanbe, und wurde 2011 vom Staatspräsidenten mit dem höchsten Orden des Landes für sein Lebenswerk geehrt.

Hier ein kurzer Text dazu von der Webseite der Tadschikischen Botschaft:

 

Manfred Lorenz: Ewige Freundschaft und Verbundenheit mit Tadschikistan

Der Iranist und Tadschikologe Professor Manfred Lorenz war seit den 70-en Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Rahmen seines Studiums in Deutschland und später für seine wissenschaftlichen Forschungen mehrmals in Tadschikistan gewesen.

Aufenthalte, die ihm dazu veranlassten, sich mit der tadschikischen Sprache und Kultur intensiver zu befassen. Er ist mittlerweile Ehrendoktor der Tadschikischen Staatsuniversität und der Slawischen Universität in Duschanbe.

Im Dezember 2011 wurde Manfred Lorenz vom tadschikischen Präsidenten während seines Staatsbesuches in Berlin mit dem Orden der Freundschaft, der höchsten Auszeichnung seines Landes, für sein Lebenswerk geehrt. Der Botschafter Nematov Maliksho war kürzlich beim Professor Manfred Lorenz zu Besuch. Der Gastgeber hat Eindrücke von seinen Lebensausschnitte in Tadschikistan und seinen freundschaftlichen Beziehungen zu den tadschikischen Wissenschaftlern mitgeteilt.

 

Lorenz verfasste zahlreiche Artikel, v.a. zur Sprachwissenschaft und Kulturgeschichte, sowie eine Reihe von Büchern. Er übersetzte wichtige iranische Autoren wie Alavi, Sadegh Hedajat und Abdolhossain Nuschin und gab u.a. eine Sammlung traditioneller afghanischer Märchen und Geschichten heraus (Der Zauberbrunnen, Weimar/Leipzig 1985 – noch antiquarisch zu finden, z.b. hier).

An weiteren wissenschaftlichen Leistungen hinterlässt er das Lehrbuch der persischen Sprache (mit B. Alavi, Leipzig 1967; 8. Auflage 1999 in München) sowie das Lehrbuch des Pashto (Leipzig 1979; Neuauflage 2010 – hier erhältlich; im übrigen auch in Kabul in der ACKU-Bibliothek zu finden) – sowie seine Studenten.

خدای دې رحم پرې وکړي

 

Im Anhang einer der letzten Texte Lorenz, „Der Sprachen wegen nach Kabul“, aus dem Sammelband Begegnungen am Hindukush (hg.v. Thomas Loy und Olaf Günther, Edition Tethys, 2015, meine Rezension sowie Leseproben hier) – mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber:

20170603MLorenz-manuskript Begegn am Hindukush

 

 

 

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